Wechselmodell – passt es wirklich zu eurer Familie?
Shownotes
Das Wechselmodell gilt für viele Eltern als die fairste Lösung nach einer Trennung. 50–50, zwei Zuhause, beide Eltern gleich wichtig. Doch passt dieses Modell wirklich zu jeder Familie?
In dieser Folge schauen wir kritisch und realistisch auf das Wechselmodell. Wir sprechen darüber, welche Voraussetzungen es braucht, damit es gut funktionieren kann, wo typische Stolpersteine liegen und warum es kein Allheilmittel für jede Trennungsfamilie ist.
Du erfährst, woran du erkennen kannst, ob das Wechselmodell zu eurer Familiengeschichte, zu euren Kindern und zu eurer aktuellen Situation passt – und warum es sinnvoll ist, sich von starren Vorstellungen zu lösen und individuelle Lösungen zu finden.
Zum Abschluss bringt Katja die Gefühls- und Kinderperspektive ein und macht deutlich, worauf es emotional für Kinder wirklich ankommt, wenn sie zwischen zwei Zuhause leben.
Diese Folge hilft dir, das Wechselmodell einzuordnen. So, dass du eine tragfähige Entscheidung für eure Familie treffen kannst.
Jede Familie ist anders und genau deshalb gibt es kein Modell von der Stange. In meiner Begleitung im Trennungsheldenpaket schauen wir gemeinsam, welches Umgangsmodell wirklich zu eurer Familie passt und wie ihr es kindgerecht, realistisch und tragfähig gestalten könnt. Alle Infos findest du hier: https://www.trennungsbegleiterin.de/trennungsheldenpaket
Wenn du dich vertiefend mit dem Wechselmodell beschäftigen möchtest, findest du auf meiner Webseite einen ausführlichen Blogartikel mit weiteren Einordnungen und Impulsen: https://www.trennungsbegleiterin.de/blog/wechselmodell
Katja begleitet Menschen traumasensibel im Umgang mit starken Gefühlen und inneren Prozessen. Wenn du Unterstützung auf emotionaler Ebene suchst, findest du Katja hier: https://www.katja-westerbarkey.com/
Transkript anzeigen
Susanne Pehse: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von deinem Podcast Starke Trennungskinder. Heute mit dem Thema das Wechselmodell. Nehmen wir heute genauestens unter die Lupe. Denn es gilt aktuell für viele Eltern als die faireste Lösung nach einer Trennung. 50-50, zwei zu Hause, beide Eltern gleichgewichtig und gleich wichtig, das Kind aufgeteilt wie eine Torte. Und genau deshalb kommt man so ein bisschen in dieses Fahrwasser, ach das ist ja cool, das können wir ja automatisch wählen, als wäre das so dieser neue Goldstandard, der für jede Familie passt. Und in dieser Folge möchten Katja und ich mit diesem Bild ein bisschen aufräumen, nicht um das Wechselmodell schlecht zu reden, sondern es realistisch einzuordnen, denn das Wechselmodell ist tatsächlich kein Allheilmittel und gilt nicht für jede Familie. Es kann sehr gut funktionieren, also für Kinder und Eltern gleichermaßen. Es kann aber auch herausfordernd sein. Und entscheidend ist eben nicht das Modell an sich, sondern ob es zu eurer Familie, zu euren Kindern und vor allen Dingen zu eurer Geschichte passt. Das heißt also, was ist denn vor das Trennung passiert? Wer war vorher Hauptbezugsperson und so weiter und so fort? Das schauen wir uns heute gemeinsam an. Woran ihr erkennt, ob das Wechselmodell eben für euch tragfähig ist. und welche Fragen ihr euch ehrlich stellen solltet, bevor ihr euch dafür entscheidet. Und ich gehe mal direkt hinein, nämlich ich kläre mal auf, was ist denn eigentlich das Wechselmodell, weil vielleicht hörst du uns jetzt zu und weißt noch gar nicht so richtig, was ist das eigentlich. Also Wechselmodell bedeutet, Kinder leben in zwei Haushalten, meistens 50-50, manche Familien gestalten das aber auch flexibel, aber oftmals ist es so, dass es wirklich 50-50 aufgeteilt ist. Es gibt unterschiedliche Wechselrhythmen. Also die einen wechseln sieben Tage, sieben Tage. Die nächsten wechseln alle zwei Tage. Und dann sind die Kinder mal wieder drei Tage übers Wochenende bei dem einen, bei dem anderen eben auch. So dass es eben, kannst dir merken, ist ungefähr eine gleiche Aufteilung der Kinder, egal wie ihr das sozusagen gestaltet. Wichtig ist hierbei, dass das Alter das Kinder die Wechselhäufigkeit bestimmt. Das heißt, du kannst dir diese Faustregel merken.
Susanne Pehse: Je jünger die Kinder, also zum Beispiel ist das Kind drei Jahre alt, dann wechselt das Kind eben alle drei bis maximal vier Tage, damit es etwas mit der Verbindung zu tun zu euch. Ja, also das kannst du dir merken, dass du hier schon mal diese Faustregeln mitnimmst. Ich räume mal mit so typischen Mythen auf. Das Wechselmodell bedeutet, ich zahle keinen Unterhalt. Das ist falsch. Ich werde das hier aber nur antisern und sozusagen nur so ein bisschen anpieksen aber wenn du bis jetzt geglaubt hast dass man da nicht unterhaltspflichtig ist das stimmt nicht da muss ein Ausgleich gezahlt werden auch der Mythos dass das Wechselmodell automatisch fair ist auch das ist nicht richtig da gehe ich dann noch später darauf ein und dass das Wechselmodell weniger Konflikte beherbergt sozusagen oft ist nämlich das Gegenteil das Fall. Und jetzt komme ich direkt zur Frage, wann kann denn das Wechselmodell gut funktionieren? Und ich habe das mal auf verschiedene Ebenen heruntergebrochen. Das heißt, wenn ihr auf das Elternebene euch respektvoll begegnet, eine Wertschätzung da ist, ein Grundvertrauen da ist und die Haltung, ich bin okay, du bist okay. In das Kommunikation, wenn Absprachen möglich sind, Wenn Konflikte nicht über die Kinder ausgetragen werden, wenn du es schon gut schaffst oder ihr Paar- und Elternebene meistens zumindest zu trennen. Es funktioniert nicht immer. Wir leben ja nicht in einer rosaroten Welt, wo alles wirklich gut funktioniert. Aber meistens sollte das funktionieren, wenn ihr euch für dieses Modell entscheidet. Wir schauen mal auf die Zeit vor das Trennung. Also waren beide Bezugspersonen? Betreuungszeiten annähernd geteilt. Hier will ich darauf eingehen ganz kurz, weil wie ich schon sagte, auf einmal wird festgestellt, das Wechselmodell machen wir, das ist ja super toll, weil Max Müller von nebenan und Franz das Kollege macht das nämlich auch und auf einmal befindet ihr euch in einem Modell, was überhaupt nicht tragfähig ist. Wir nehmen jetzt mal ein Beispiel, eine
Susanne Pehse: Familie, ganz klassische Rollenverteilung. Die Frau, also die Kinder, sagen wir mal 14 und 16 Jahre alt, die Frau war Hauptbezugsperson, hat sich die Kiddies gekümmert und das Papa hat sozusagen das Geld in die Familie gebracht. Also eine ganz typische Rollenverteilung, war wenig da, vielleicht auch viel auf Dienstreise und diese Familie steht jetzt vor das Herausforderung das Trennung und beliest sich irgendwo und sagt, das Wechselmodell ist ja super toll. Der Mann denkt vielleicht noch, ach, das ist ja super, da muss ich vielleicht auch sogar weniger zahlen, machen wir jetzt. Das gilt es genau zu beobachten, weil da muss die Vorgeschichte mit bedacht werden. Also auch, wie viele Kapazitäten habe ich denn überhaupt? Kann ich das überhaupt stemmen? Kann ich meine Arbeitszeiten entsprechend anpassen? Ist das für die Kinder tatsächlich jetzt ein wohlwollendes Modell oder wollen wir uns erst einmal für ein anderes Modell entscheiden? Das bedeutet ja nicht, dass das Wechselmodell nicht später erfolgen kann. Also da sind wir wieder bei dem Thema. So viel. Es soll für die Kinder erst einmal so bleiben, wie es vorher war, zumindest das erste Jahr. Und dann lasst doch die Kinder langsam in ein anderes Modell hineinwachsen. Wir müssen doch nicht gleich mit das Brechstange irgendwie sagen, komm, das machen wir jetzt, sondern als Familie darf man erst mal hineinwachsen. Wenn ich mir vorstelle, ich bin als Mama Hauptbezugsperson 14, 16 Jahre lang und dann auf einmal muss ich sieben Tage, sieben Tage, ich sehe sieben Tage meine Kinder nicht.
Susanne Pehse: wo vielleicht das Papa vorher das schon geübt hat, weil er immer auf Dienstreise war. Das muss ich nervlich in meinem Nervenkostüm ja erst mal verarbeiten können. Das heißt, lasst es doch erst mal so und dann versucht, langsam in ein anderes Modell hinein zu wachsen. Das war mir jetzt hier wichtig an das Stelle, das zu sagen. Also die Zeit vor das Trennung zu beachten. Ich rutsche mal auf die Kindenebene. Also hier auch die emotionale Verfügbarkeit beider Eltern ist wichtig. dieses Modell überhaupt leben zu können. Wie werden die Kinder, die Gefühle das Kinder aufgefangen? Und eben ganz wichtig, dass ihr auch in diesem Modell flexibel bleibt. Wann passt es nicht? Da würde ich jetzt eigentlich sagen, wenn eines von diesen Punkten nicht zutrifft, dann passt es eben meistens nicht fürs Wechselmodell. Das heißt, wenn ihr einen hohen Elternkonflikt habt, wenn Macht- oder Geldthemen im Vordergrund stehen, wenn Misstrauen an der Tagesordnung ist, wenn es zu starre Regeln gibt, ja, ich habe vorhin das Bild das Torte genommen. Also wenn, dann möchte ich doch wirklich das in gleichen Stücken aufteilen, die Kinder. Wenn das Kind sich anpasst, statt eben begleitet zu werden von uns, also es mal ganz klar auf den Punkt zu bringen, was ist eure Motivation? Wollt ihr Beziehung gestalten oder wollt ihr Geld sparen? Und da bin ich ganz klar in meiner Meinung. Also da wirklich hinzuschauen und wirklich zu schauen, was ist meine Motivation? die Haltung ist. Kein Modell passt für alle. Modelle müssen sogar angepasst werden. Kinder werden älter. Kinder kommen in ein Jugendalter, wo sie mit 14, 15, 16 vielleicht sogar selber sagen, das ist ja schön und gut, was ihr hier entschieden habt. Aber wisst ihr was, geht mich gar nichts an. Ich bleibe hier. Und was ihr macht, ist mir eigentlich egal. Ja, da haben wir es mit einem sehr selbstbewussten Kind zu tun, aber das kann durchaus sein, dass Jugendliche sich für
Susanne Pehse: einen Elternteil erstmal entscheiden. Wichtig ist hier, die Kinder entscheiden sich nicht für einen Elternteil. In dem Moment, würde ich sagen, entscheidet sich das Jugendliche auch ein Stück weit aus Bequemlichkeit. Ja, also da entscheidet sich auch daraus, ich habe keinen Bock, das Zeug ständig hin und her zu schleppen oder oder, sondern ich bleibe jetzt erstmal hier. Es kann auch eine Erstmalentscheidung sein. Ich entscheide mich erst einmal dafür und beobachte das ganze Mal. Weil, da wieder so ein bisschen dir auch die Angst zu nehmen, wenn du uns jetzt zuhörst oder zuschaust, Kinder tun nie etwas gegen um dich, sondern immer für sich. Und das ist total gesund, wenn Kinder etwas für sich tun. Und deinem Kind da in dem Moment auch zu vertrauen, wenn du jetzt beispielsweise ausziehst und dein Kind sagt, ich bleibe aber jetzt hier in dem Haus, weil ich weiß, hier habe ich alles, hier bin ich groß geworden, hier fühle ich mich erst mal sicherer. Dann darf das okay sein. Und du wirst sehen, das erlebe ich ganz viel in meinen Bekleitungen, dass wenn deine Angst ein Stückchen kleiner wird, dein Kind zu verlieren. Und ich weiß, die ist groß. Aber wenn du das gut für um dich reguliert bekommst, dann wird dein Kind wieder näher rutschen. Dann wird es auch mal sagen, auch weißt du was? komme ich heute mal zu dir und dann rutscht es vielleicht automatisch in diesen Wechsel hinein. Also gerade im Jugendalter ist das wichtig. Autonomie, Selbstwirksamkeit steht dort im Vordergrund und das Kind selbstwirksam entscheiden zu lassen. Und bevor ich jetzt gleich zu Katja übergehe, dass eben die Bedürfnisse der Kinder vor deiner verletzten Seele sozusagen auch stehen. Jetzt habe ich viel über Voraussetzungen, Struktur, Entscheidungen gesprochen. jetzt schauen wir mal auf eine wirklich wichtige Ebene, nämlich wie erleben denn Kinder ein Wechselmodell eigentlich emotional, Katja? Und da möchte ich jetzt um dich gerne mit ins Boot holen und bin sehr gespannt, was du uns da mitgebracht hast.
Katja Westerbarkey: Ja, ist eine spannende Frage, liebe Susanne. Und so pauschal können wir das überhaupt nicht sagen, denn es kommt ganz darauf an, natürlich wie alt das Kind ist, das hast ja schon ausführlich darüber gesprochen, sondern auch wie sicher ist dein Kind gebunden? Was für eine Bindungssicherheit hat das Kind? Wie alt ist es und wie fein fühlt es das Kind? Und wie ist der älterliche Konflikt? Haben wir den großen Konflikt unter Eltern, hast du auch gesagt, gehen die Kinder oft zum Schwächeren. Kinder wollen ausgleichen, alles strebt zum Mittelwert. Das heißt, mein Kind spürt, die Mama oder der Papa fühlt sich alleine, dann gehe ich zu ihm, weil ich muss es ausgleichen, ich muss den Mittelwert heran schaffen. Und da ist es super wichtig zu intervenieren. Dann das zweite Kriterium, wie sicher ist dieses Kind gebunden? Und das erkenne ich dann, wie das Kind mit mir in Kontakt geht. Ja, spricht es mit mir? Darf es seine Gefühle mir gegenüber äußern? Darf es auch mal toben oder wird es unterbunden? Wie viel war denn die Mama oder der Papa tatsächlich da? Ja, also wie viel Zeit haben wir miteinander verbracht? Wo geht das Kind hin, wenn es krank ist, wenn es hingefallen ist, wenn es sich verletzt hat? Was ist die erste Bezugsperson? Und diese Bezugsperson vor allem in diesem ersten Jahr zu nehmen oder zu minimieren, wäre fatal. Denn das Kind bekommt nicht diese Bedürftigkeit, die es gerade hat, erfüllt. Natürlich kann es das andere Elternteil auch, aber Stück für Stück. Das darf ich nicht sofort erwarten. Kinder können ein Wechselmodell, wie gesagt, das kann auch super gut funktionieren. Wir wollen das ja nicht schlechtreden. Wir wollen es nur beleuchten. Kinder können sich auch überfordert fühlen. Sie haben vielleicht das Gefühl, ich kann nirgendwo so richtig hin. Ich lebe viel aus dem Koffer. Ein ganz klassisches Gefühl ist dieser Loyalitätskonflikt und das siehst du und da bitte ich um dich wirklich, beobachte dein Kind ganz genau. Du siehst, wenn dein Kind im Loyalitätskonflikt ist, weil es unsicher ist. Der Körper geht hin und her, es weiß nicht so richtig, wo es eigentlich hin soll. Also ich rede wirklich jetzt auch vor allem vom Grundschulalter oder Vorschule und die Kinder können zusammen sagen, ja ich
Katja Westerbarkey: will eigentlich gar nicht bei dir schlafen, weil sonst ist der Papa traurig oder ich will nicht mit dir was machen oder mit meinem Papa was machen, weil sonst bist du traurig. Das ist Loyalitätskonflikt und das ist wiederstreben zum Mittelwert und die Verantwortung darf dein Kind nicht tragen. Da musst du und das ist ja so schwer und das haben wir in der Folge davor ja auch beleuchtet, weil wie sagen wir es den Kindern? Echt klar mit dir sein. Und da greife ich um dich noch mal, Susanne auf, wenn du sagst, du kannst einer Mama, die die Kinder 70 % oder 80 % betreut hat, nicht in der Woche die Kinder, böse gesagt, entziehen. Das ist super schwer. Kinder reagieren oft auch im Wechselmodell unsicher. Was darf ich denn wo machen? Überall sind es ein bisschen andere Regeln. Das kann sich natürlich einspielen. Aber das Umfeld ist vielleicht ein anderes. Wohnt ihr in der gleichen Stadt? Wie ist der Schulweg? Ist es der gleiche Kindergarten? Also das ist natürlich, das müssen wir alles bedenken. Es geht Details und Kleinigkeiten. Wie sind die Nachbarn? Dafür brauchen Kinder Zeit. Sie brauchen Zeit, sich an das Umfeld und die Umstände zu gewöhnen. Vorausgesetzt, es geht gut, wenn sie ein Elternhaus haben, also Elternteile haben, Eltern haben, die miteinander kommunizieren können.
Susanne Pehse: Mhm.
Katja Westerbarkey: Kinder verlieren und das fällt mir zum Beispiel immer wieder oft auf in meinen Coachings. Kinder haben wahnsinnig Angst Kontrolle zu verlieren und ganz viele Erwachsene auch. Ich würde fast sagen fast jeder Erwachsene kontrolliert gern, weil Kontrolle und Sicherheit gibt. Wenn Kinder und da spreche ich jetzt auch vor allem von Teenagern und Jugendlichen spüren, sie verlieren die Kontrolle. wollen sie die Kontrolle zurück erlangen. Das kann wirklich auch ausufern. Das heißt, sie können sagen, wo gehst du hin, Mama? Wie lange bin ich jetzt hier? Was darf ich heute machen? Mit wem telefonierst du? Warum kommt der Papa eine Stunde zu spät? Sie wirken sehr unflexibel. Sie brauchen eine ganz starre Routine. Und da gilt es wieder ihnen auf einem anderen Weg Sicherheit zu geben. Du kannst um dich nicht von deinem Kind kontrollieren lassen. Das ist so viel Last auf den Schultern des Kindes, sondern geh mit deinem Kind ins Gespräch, gerade wenn es 11, 12, 10 ist und sag ich verstehe, dass es für um dich im Moment schwer ist. Glaubst du, wir können es weiter versuchen? Glaubst du für um dich, wer? dass du bei einem bleibst, wie du auch sagst, zusammen mit 14 sagen sie vielleicht selber, wo sie sein wollen, vielleicht auch aus Faulheit. Du willst vielleicht woanders sein, möchtest du es nochmal versuchen? Nur ich kontrolliere mich selber, ich bin erwachsen, ich bin dein Papa oder ich bin deine Mama und ich bin für mich selber zuständig. Du bist Kind. Führ dein Kind zurück in die Herde und nicht in die Schäferhundrolle Wir müssen in der Familiendynamik bleiben, auch als Getrennt lebende Eltern. Sind trotzdem Eltern und haben eine Familiendynamik. Genau, Loyalitätskonflikt heißt natürlich auch so zerrissen sein, wie ich schon erwähnt habe. So irgendwie gehöre ich nirgends wo so richtig hin. Ja und auch hier stelle ich oft fest, dass es dann versucht wird, materiell gut zu machen. Ich kaufe dir ein schönes Bett, kaufe dir eine schöne Bettwäsche, ich kaufe dir das, ich kaufe dir das, damit mein Kind sich wohlfühlt. Aber darum geht es auch gar nicht. Damit mache ich es vielleicht schmackhaft.
Susanne Pehse: Ja.
Katja Westerbarkey: damit es gerne in diesen Raum kommt. Aber erfüllt und gefüllt wird der Raum durch mich oder eben durch den Papa, also beide gleich. Wir nehmen unsere Zeit und wenn du bei mir bist und deswegen im Wechselmodell gibt es auch ganz wichtig Quality Time. Wenn ihr es euch wirklich 50-50 oder individuell wechselt, ist, es muss Quality Time sein, ohne Handy ohne Wäsche waschen, ohne schnell am Rechner arbeiten oder sonst was, sondern ich bin da für um dich, ich betreue um dich, denn dafür habe ich mich oder wir uns entschieden. Was Kinder emotional brauchen, stabil aufgefangen zu werden in diesem Modell, ist ganz wichtig eine Aufteilung. Da will ich weg von 50-50. Die und jetzt ist ganz wichtig, das Nervensystem des Kindes beruhigen. Das bedeutet, wenn ich sehe, mein Kind kommt bei meinem, bei dem Papa oder bei der Mama, also nicht bei mir, besser zur Ruhe. Es kann sich dann besser erholen. Zum Beispiel es schläft ruhiger. Zum Beispiel ich erkenne im Gesicht Mimik. Es ist nicht starr, es ist gelöst, es ist offen. Das Kiefer ist entspannt. Es ist freier in seiner Bewegung. Es ist auch frei im Gefühlsleben. Es darf weinen, es lachen, es darf einfach es selber sein und das Kind kann seine Gefühle von Anfang bis Ende durchfühlen. Dann habe ich ein gutes Nervensystem, weil dann lernt auch mein Körper zu Ende fühlen und es muss sich nichts anstauen, was im späteren Alter irgendwann mal ausbricht, vielleicht sogar im Erwachsenenalter. Ein gut reguliertes Nervensystem erkennst du auch da, die Kinder atmen flach tief in den Bauch. Nicht dieses schnelle Oberflächliche, sondern sie atmen tief in den Bauch. Sie haben keine körperlichen Beschwerden oder wenig, ausser sie sind wirklich krank. Und wichtig, die Balance zwischen Nähe und Autonomie stimmt. Das heißt, sie klammern nicht und sie sind nicht nur ich will um dich nicht, sondern
Susanne Pehse: Mhm.
Katja Westerbarkey: Es ist diese Mischung und da darf ich gern immer aus der Perspektive noch mal raus, aus der Trennungsperspektive raus und mir überlegen, wie wäre denn mein Kind, wenn wir noch ein Paar wären und zusammen wären? Weil ganz oft ist es so, dass die Kinder auch bei einer gut vollzogenen Trennung total altersentsprechend reagieren. Und ich mir ganz oft denke, ach Gott, jetzt will es nichts mehr mit mir zu tun haben wegen der Trennung. Dabei ist das Altersentsprechend. Also geh mal auch ein Stück weg von dieser Trennungsbrille und schau es dir an, dass ein dreijähriges Kind oder dass ein Wackelzahn-puppertierendes Kind oder dass ein Teenagerkind auch mal die Distanz sucht und die Rebellion sucht. Das ist entwicklungsbedingt ganz normal und muss sein. Es gehört dazu. Also nochmal umgebrochen, ein gutes Nervensystem, wo sich mein Kind wohlfühlt, darf ich zugestehen,
Susanne Pehse: Hm.
Katja Westerbarkey: dann bleib einfach länger bei diesem Elternteil und sichtbar ist es wirklich. Es fühlt sich sicher. Ich bin verlässlich. Ich biete ihm eine feinfühlige Begleitung. Wir entschleunigen die Übergänge. Das heißt, wir machen auch immer das gleiche Ritual und wir bombadieren bei dir nicht mit Fragen. Und wie war es bei der Mama? Wie war es bei Papa? Was habt ihr gemacht? Hat er sich um dich gekümmert? Stopp! Nein, dein Kind kommt erst mal an. Du beobachtest es und schaust mal, was es dir so bietet. Was ist sein Bedürfnis? Was braucht es? Willst spielen? Willst du Rückzug? Willst du ein Hörspiel? Willst vielleicht einmal mal da sitzen und gucken, ob du ein neues Bild aufgehängt hast? Was auch immer. Lass es sich selber regulieren und sei einfach da. Dein Kind braucht die Gewissheit, dass sie beide leben dürfen, ohne jemanden zu verletzen. Es muss wissen, ich darf den Papa genauso lieb haben.
Susanne Pehse: Mmh.
Katja Westerbarkey: wie die Mama und andersrum. Und ich darf alle Gefühle haben, weil alle Gefühle, die ich fühle, sind richtig und haben einen Grund. Und ich werde damit gehalten und aufgefangen. Und das ist essentiell nicht nur in einer Trennung, sondern grundsätzlich in der Kinderbegleitung. Gefühle fühlen lassen und es ist super schwer mit dem ganz anderen Ding, die wir ja auch noch drauf haben, in Trennungsbegleitung.
Susanne Pehse: Mhm.
Katja Westerbarkey: Genau, glaube ich, wir müssen es individuell entscheiden, viel nach Nervensystem entscheiden. Mein Kind gut beobachten, manchmal ist weniger Wechsel mehr Sicherheit. Individuell wirklich entscheiden, aber ein paar Eckdaten einfach beachten.
Susanne Pehse: Ja.
Susanne Pehse: Mhm. Okay, da war jetzt so viel Gutes dabei.
Katja Westerbarkey: Ja, Gott sei Dank.
Susanne Pehse: Ich überlege jetzt gerade, ob ich dazu noch etwas hinzuzufügen habe. Mir fällt mir viel vor und so bei deiner Erzählung ein, bei deinen Worten. Schuld, passt auf, dass ihr nicht aus Schuldgefühlen heraus irgendwelche Entscheidungen trefft, die die nicht tragfähig sind, passt auch auf, dass ihr einen Rahmen schafft, du hast vorhin das Modell angesprochen Katja, mit dem wir ja beide arbeiten, dieses Gruppendynamikmodell. Also wenn ihr in unsere Begleitung kommt, dann werdet ihr das sicherlich nochmal wiederfinden. ja, du hast, ich, ja, genau.
Katja Westerbarkey: Du meintest, das ist mit dem Schäferhund. Ich habe es auch gar nicht auserzählt, weil es auch hier eigentlich gar nicht reingehört. Ich will damit einfach sagen, dass es wichtig ist, das Kind Kind sein zu lassen und meine eigenen Bedürfnisse für den Moment, nur für den Moment, kurz zurückzustellen und die an anderer Stelle auszuleben. Und das ist in Ordnung. Ich darf meine Bedürfnisse auch sehen. Aber im Moment ist es wichtig, denen vom Kind nachzugehen.
Susanne Pehse: Ja.
Susanne Pehse: Genau.
Susanne Pehse: Und Katja, was mir noch einfällt, ist das Modell, das Wechselmodell muss auch alltagstauglich sein und tragfähig sein. Und deswegen komme ich immer wieder gedanklich dahin zurück, erst einmal das Modell, so wie ihr es jetzt sozusagen habt, weiterzuführen, nur in zwei getrennten Wohnungen. Also da schweife ich jetzt ein bisschen ab vom Wechselmodell, aber das kommt mir jetzt gerade dieser Gedanke, sodass ihr erstmal schauen könnt, wie kann ich das von der Arbeit her stemmen, kann ich das überhaupt stemmen, das wirklich die Kinder erstmal hineinwachsen können. Katja, du hast das vorhin so schön gesagt. Und da geht es ja nicht nur ums Nervensystem der Kids oder Gewohnheiten und Routinen, sondern da geht es ja auch euch als Erwachsene. Wenn jetzt auf einmal, mir kommt gerade so ein Bild in den Kopf, jemand klingelt bei euch an der Tür und sagt, übermorgen ziehst du nach Australien. Okay, also die wenigsten werden dann sagen, sondern die müssen sich erst mal dran gewöhnen. Und übermorgen, wie soll ich das alles schaffen? Ja, aber viele Eltern sind in diesem Glauben, ja, das können wir schon irgendwie hin. Machen wir jetzt Wechselmodell. Zacky, zacky. Ich weiß noch, Katja, und dann mag ich was Privates teilen. Und das sieht man wieder auch anhand meines Beispiels. Schau, dass du deine eigene Geschichte nicht in dir, Trennungsgeschichte deiner Kinder mit hineinbringst. Weil ich weiß noch, ich hatte einen Gedanken, da war, ich hab das doch auch irgendwie hinbekommen. Ich war jetzt kein Wechselmodellkind, aber im Allgemeinen zum Thema Trennung, ich hab das doch auch irgendwie hinbekommen als Kind, das werden meine Kinder schon schaffen. Und damit verlierst... Ja, damit verlierst du den Blick.
Katja Westerbarkey: Ganz genau
Susanne Pehse: Damit habe ich ein Stück weit den Blick auf meine Kinder verloren, weil ich das mit mir, mit meiner Geschichte, verglichen habe. da, da wieder den Bogen zum Wechselmodell zu spannen, nur mal als Beispiel, wenn du jetzt denkst, ich hätte mir aber gewünscht... dass ich mehr bei meinem Papa oder bei meiner Mama, je nachdem, wie deine Geschichte jetzt vielleicht war, ich hätte mir das so gewünscht als Kind. Und dann versuchst du diesen Rahmen, diese Glocke über deine Trennung jetzt zu stülpen. Dann schau bitte, wie war das denn bei deinen Eltern? Waren das andere Gegebenheiten? Und das ist hundert Prozent anders. Also schau bitte wirklich nicht immer nur danach, was hättest du gebraucht, sondern was braucht denn dein Kind? Was braucht dein Kind in deiner jetzigen Familiensituation? Das fällt mir noch ein. Aber Katja, siehst auch so aus, als würdest du noch was sagen wollen dazu.
Katja Westerbarkey: Du erkennst mich mittlerweile so gut, das ist wirklich schön. Du weißt es schon. Du hast so was Schönes jetzt gesagt, Susanne. ich wünsche mir, also meine Geschichte ist meine Geschichte und zum Beispiel ich wünsche mir, dass mein Kind mehr beim Papa ist, weil ich wäre das gern gewesen und dann mir die Frage zu stellen, kann ich das dann aber auch zulassen? Kann ich es wirklich zulassen? Nur weil ich es mir gewünscht hätte, wünsche ich es mir für mein Kind.
Susanne Pehse: Mhm.
Katja Westerbarkey: Aber bin ich bereit dazu, mein Kind näher zu seinem Vater zu lassen, wie bei mir, obwohl ich jetzt so lange zu Hause war? Und da sind wir wieder bei unserem Bindungsmuster. Wie bist du aufgewachsen? Wie bist du gebunden? Und da aus Jahrzehnten hinauszubrechen, zu sagen, okay, stopp, ich erkenne, ich veränder. Und du musst dein Körper, du musst dein Nervensystem mitbringen. Und es geht so, es geht super, aber auch langsam. Es braucht Zeit.
Susanne Pehse: Mh.
Susanne Pehse: ganz genau.
Katja Westerbarkey: Und da wir in der Trennung in einer Extremphase sind und oft alles schnell lösen wollen, weil wir ja raus wollen aus diesem Zustand, es ist schon sehr anspruchsvoll. Wir wiederholen uns, indem wir sagen, wir dürfen uns klar darüber werden, du darfst dir klar darüber werden, mit welcher Haltung gehe ich in die Trennung danach, mit welcher Haltung, wie viel von mir selber.
Susanne Pehse: Ja.
Katja Westerbarkey: nehme ich noch mit auf mein Kind. Und die Reflektion, die Selbstreflektion bei einer Trennung, ich weiß nicht, wie viele Situationen es im Leben gibt, wo die so wichtig ist wie da, weil da geht es nicht nur um mich, sondern da geht es vor allem dieses kleine wunderschöne Lebewesen oder dieses große wunderschöne Lebewesen, das weiterleben darf mit seiner eigenen Erfahrung, ohne dass ich es draufgebe. Und das ist oft mit einem eigenen Schmerz und Loslassen verbunden. Was nicht heißt, dass ich mein Kind verliere, was aber heißt, dass ich mein Kind auch ein Stück weit selber gehen lassen darf. Das brannte mir jetzt sehr auf den Zunge, weil es so wichtig ist.
Susanne Pehse: Mh.
Susanne Pehse: Ja, aber Katja, das ist so wichtig, genau, das ist wirklich tatsächlich sehr wichtig, weil das Elementar ist bei der Entscheidung für das Umgangsmodell.
Katja Westerbarkey: absolut.
Susanne Pehse: Und da eben wirklich, ja, genau, das Thema loslassen. Wir Trennungseltern müssen unsere Kinder, wir zahlen einen Preis. Jede Trennung hat einen Preis. Und das ist das, Katja. Genau, jetzt habe ich wieder den roten Faden, den Gedanken, dass ganz viele Trennungseltern glauben,
Katja Westerbarkey: Es ist los, lasst ihn!
Susanne Pehse: Wir zahlen keinen Preis dafür. Ich muss nichts verändern. kann alles so bleiben. Und das stimmt halt nicht. Und das ist das, was manchmal so wehtut, was manchmal so schmerzlich ist und wo wir aber gleichzeitig auch daran wachsen können. Und gerade Wechsel, ich bin ja selber oder war lange Zeit Wechselmodell Mama, kann also das so gut nachempfinden. Die Zeit am Anfang, wie sich erst alles eingrooven musste. und dann aber auch die Tür zu schließen und für mich zu sein. Ja, also das ist ja auch etwas, was ich möchte da mal einen kleinen positiven Blick auch da aufs Wechselmodell werfen, dass das auch durchaus schön sein kann, wenn du mal ein paar Tage nur für um dich hast und da keine Mama bist, sondern wirklich sagen kannst, okay, ich habe Vertrauen in den anderen, der wird das gut machen und ich kann jetzt nur mal für mich da sein. Ich bin ja nicht nur Mama, sondern ich bin ja auch Frau und Gestalterin und ja, also ich habe da wirklich genau oder
Katja Westerbarkey: Oder Mann,
Susanne Pehse: Mann. Genau. Und ich habe da wirklich auch gelernt, das alleine sein. Das war, und ich bin super gern mit mir alleine. Also das ist wirklich, da sind wir wieder bei der Schatzkiste der Trennung und vielleicht auch bei der Schatzkiste des Wechselmodells. Aber auf was ihr achten müsst, das haben Katja und ich heute hoffentlich genauestens beleuchtet, wenn ihr Unterstützung braucht, gerade bei der Findung des Modells. Ihr könnt zu mir kommen. Ich habe als Trennungsbegleiterin für Familien verschiedene Module entwickelt. Wir gehen da ganz genau rein und finden für euch das passende Modell. Das habe ich schon mit ganz vielen Eltern gemacht und ich bitte verzweifelt da nicht. Das wird werden. Es ist ein Prozess. Es ist eine Übung. Ihr dürft da hinein wachsen. Es ist das allererste Mal, vielleicht auch für manche das zweite, aber für viele das allererste Mal, dass ihr vor diesen Entscheidungen steht und die muss wohl überlegt sein. Und Katja, dir wurde ich jetzt die Abschlussworte noch überlassen zu unserem heutigen Podcast.
Katja Westerbarkey: Ich möchte immer sagen, dass wir wahnsinnig dankbar sind. Also Susanne und ich wahnsinnig dankbar, dass du einschaltest, dass du uns anhörst. Nicht weil du uns dann hörst, sondern weil wir wissen, dass unser Podcast was mit dir macht. Du kannst nicht nicht hören. Du hörst es. Und wir wissen auch, dass du dann was verändern kannst. Du hast dann die Chance und die Möglichkeit. Und genau darum geht es, dass wir den Kindern Freiheit mitgeben und dass dein Kind später einmal sagen kann,
Susanne Pehse: Mhm.
Katja Westerbarkey: Ich hatte eine wunderschöne Kindheit trotz der Trennung meiner Eltern. Und mit diesen Worten verabschieden wir uns und freuen uns wahnsinnig auf das nächste Mal, wenn du uns wieder zuhörst bei deinem Lieblingspodcast den starken Trennungskindern. Tschüss, macht's gut!
Susanne Pehse: Tschüss, bye bye!
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