So begleitest du euer Kind sicher durch Wut und Traurigkeit in der Trennung.
Shownotes
Tränen. Wut. Rückzug.
Viele Kinder reagieren nach einer Trennung mit starken Gefühlen. Und genauso viele Eltern stehen gleichzeitig selbst unter Druck und fragen sich: Wie soll ich die Gefühle meines Kindes gut begleiten, wenn ich selbst noch mitten im Trennungsprozess stecke?
In dieser Folge sprechen wir darüber:
- wie du im emotionalen Ausnahmezustand wieder in deinen Erwachsenenmodus kommst
- warum Gefühle weder gut noch schlecht sind, sondern Ausdruck
- wie du Wut, Traurigkeit und Rückzug annehmen kannst, statt sie wegmachen zu wollen
- warum nicht jede Emotion automatisch mit der Trennung zusammenhängt
- und weshalb Übergänge nach Umgängen oft besonders intensiv sind
Ein zentrales Thema dieser Folge ist die Koregulation und das Nervensystem. Katja bringt ihre Perspektive als traumasensible Gefühlscoachin ein und erklärt:
- wie Gefühle im Körper entstehen
- warum Kinder von Gefühlsstürmen überwältigt werden
- weshalb Wut nach außen gesünder ist als nach innen
- und wie du dein Kind co-regulieren kannst, ohne selbst unterzugehen
Unsere Unterstützung für dich:
Die Begleitung der Kinder ist ein fester Bestandteil meiner Arbeit als Trennungsbegleiterin für Familien. Wenn du dir wünschst, die Gefühle eures Kindes sicher begleiten zu können und gleichzeitig selbst handlungsfähig zu bleiben, dann vereinbare gerne ein Kennenlerngespräch mit mir. Wir schauen gemeinsam auf deine Situation und finden Lösungen:
Kennenlerngespräch mit Susanne Pehse: https://www.trennungsbegleiterin.de/termine
Katja Westerbarkey – traumasensible Gefühlscoachin Mehr zu Katjas Arbeit rund um Nervensystem, Gefühle und Koregulation findest du hier: https://www.katja-westerbarkey.com/
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Susanne Pehse: Heute geht es um den Umgang mit den starken Gefühlen der Kinder während einer Trennung. Tränen, Wut und Rückzug. Viele Eltern werden das nach einer Trennung erleben und das ist auch gut so. Und gleichzeitig stehen sie selbst unter Druck und fragen sich, ich stecke doch da auch noch mittendrin, wie soll ich denn jetzt die Gefühle unseres Kindes gut begleiten? Und genau darum geht es in dieser Folge. Wir schauen darauf, wie du die Gefühle eures Kindes begleiten kannst. dich selbst zu überfordern. Es geht darum, wie du wieder in den Erwachsenenmodus kommst. Es geht darum, Gefühle anzunehmen, statt sie verändern zu wollen und zu verstehen, welche Rolle das Nervensystem dabei spielt.
Katja Westerbarkey: Und ich darf in dieser Folge meine Perspektive als traumasensible Gefühlscoachin miteinbringen und werde dir erzählen, warum Co-Regulation so unglaublich wichtig ist. Und damit starten wir in deinen Lieblingspodcasts Starke Trennungskinder.
Susanne Pehse: Warum sind denn diese Momente so herausfordernd für dich? Du musst wissen, Trennungszeit ist eine emotionale Ausnahmesituation. Du selbst bist auf der Suche nach Halt, nach Orientierung, nach Sicherheit. Es ist das Gefühl von, diese Säulen brechen mir gerade selbst weg. Das bedeutet, dass diese starken Gefühle der Kinder deiner Kinder auf deine eigene Überforderung treffen. Und das hat oft zur Folge, dass die innere Führung schnell verloren geht. Das heißt, wenn wir Gefühle gut begleiten wollen, bedeutet das in erster Instanz als Erwachsener präsent zu sein. Und wir alle haben ja in uns noch das eigene innere Kind und das sitzt ja dort auch noch mit rum, ja, in so einer Gefühlssituation und will ja auch irgendwo genährt und gestärkt werden und will nicht in dem Moment zu deinem Kind rüber geschoben werden, kümmere dich doch jetzt bitte auch noch darum. Und deswegen ist es so so wichtig und hier mag ich dir zum Einstieg ein inneren Satz, ein inneres Mantra mitgeben, wenn du überwältigt wirst, dass du dir sagst, ich bin die oder der Erwachsene und du bist das Kind. Ja, also das kann schon gut dazu helfen, dass du wieder aus der Erwachsenenrolle her agierst. Warum kann es noch kippen, wenn dein Kind beispielsweise wütend ist und Wut ist ja ein sehr krasses Gefühl Katja. Ich kann mich noch gut erinnern an Wutausbrüche meiner Kinder, die nichts mit der Trennung zu tun hatten, wo es mich echt geschleudert hat teilweise. Ja, also wo da zehn Minuten ein schreiendes Kind auf dem Parkplatz gestanden hat und ich völlig überfordert war. Und genau das wirst du und vielleicht jetzt in doppelter Dosis in deiner Trennung erleben. Denn unsere Gedanken machen
Susanne Pehse: drehen sich im Kreis und machen dir manchmal auch einen Strich durch die Rechnung. Also dein Kind ist wütend und du denkst direkt, Gott, das liegt an der Trennung, das liegt vielleicht an meinem Ex-Partner, an meiner Ex-Partnerin. Er oder sie hat Schuld oder ich bin schuldig. Und während du so deine eigene Geschichte zusammenspinnst, rutscht deine Aufmerksamkeit weg vom Kind hin zu deiner Geschichte und damit habt ihr gar keine Verbindung mehr miteinander. Also wichtig ist hier auch zu erkennen, Dieses Gefühl, was mein Kind gerade zum Ausdruck bringt, das gehört zum Kind. Es ist nicht meine eigene Geschichte. Dieses Gefühl gehört nicht zu mir. Es gehört zu meinem Kind. Und wichtig ist auch an der Stelle, dass es nichts erklärt werden muss. Warum? Wieso? Weshalb? Sondern es geht einfach erstmal nur darum, ich bin hier in meiner vollen Präsenz. Und dadurch Katja, dass wir ja alle gelernt haben, Gefühle einzuteilen in gute und schlechte Gefühle, sind uns diese unguten Gefühle ja erstmal so, Gott. Aber sie sind eben Ausdruck. Sie sind Ausdruck von dem, was dein Kind gerade innerlich bewegt. Und du kannst in die Hände klatschen, wenn dein Kind wütend ist, wenn dein Kind traurig ist, wenn dein Kind das ganz offen zeigt. weil dann bist du offensichtlich ein sicherer Hafen für dein Kind. Und das in dem Moment auch zu verankern und zu sagen, geil, dass du deine Gefühle zeigst, bitte immer her damit. Weil es ist so schön, wenn Kinder ihre Gefühle nach außen bringen und vielleicht auch die Wut mal auf dich und der Scheißpapa oder Scheißmama nennen oder, statt dass sie ihre Wut auf sich lenken, nach innen lenken. Innen, nach innen gelenkte Wut. ist niemals konstruktiv und zeigt im Prinzip, dass da schon was im Argen ist, wo man hinschauen muss. Also mein Satz in meinen Begleitungen ist immer, euer Kind zeigt Gefühle, geil, klatscht doch einmal in die Hände, das ist wunderbar, da gucken mich die Eltern meistens an, so herum Gottes willen. Aber das ist so, das ist so so gut. Also begleiten heißt eben da sein und das nicht wegzumachen.
Susanne Pehse: Jetzt Katja, will ich dir direkt schon das Wort übergeben, denn diese Folge ist ja wie für dich gemacht. Es geht Co-Regulation geht Nervensysteme, wie verbinden die sich vielleicht auch mit dem eigenen Kind. Also ich übergebe jetzt einfach mal das Wort an dich. Was kannst du heute unseren Zuhörerinnen mitgeben?
Katja Westerbarkey: Danke dir, ich feier das so. Also wenn du erzählst, merke ich schon mein Herz macht bim bim bim bim bim bim bim vor Freude, vor Freude von diesen wunderschönen Worten, weil du hast recht, es ist wirklich, ich brenne so für dieses Thema Gefühle, Gefühlsstürme, alles was mächtig ist, was raus darf, was man zeigen darf und auch wenn das für uns mit den eigenen Gefühlen schon anstrengend ist, ist es von den Kindern natürlich auch noch on top. mitanstrengend. Ich möchte gern zu Beginn, bevor ich ein bisschen näher darauf einsteige, einmal beleuchten, wie es zum Gefühl überhaupt entsteht. Denn oft denken wir ja auch, wir haben ein Gefühl und ich glaube, es zu beleuchten, woher es kommt, ist für dich, der dazuhört oder die zuhört, mal ganz aufschlussreich. Also du musst dir vorstellen, es passiert ein Reiz. Also irgendetwas von außen zum Beispiel trifft auf dich ein Bild, ein Ton oder irgendein Ereignis. In dir innen entsteht ein Gedanke oder eine Erinnerung. Auch das ist ein Reiz. Unser Gehirn, mein Gehirn bewertet blitzschnell. Das muss es, damit es in keine Überforderung kommt. Das heißt, das Gehirn fragt sofort Gefahr, nicht Gefahr, gut oder schlecht, bin ich sicher oder bin ich unsicher? Und dann reagiert mein Körper. Noch bevor ich weiß, was ich fühle, reagiert immer vorab mein Körper. Und das ist das Spannende in der frühkindlichen Bindung, dass wenn eine, und da komme ich natürlich auch als Hebamme in meine absolute Leidenschaft, wenn eine Schwangere zu mir kommt und sagt, mir geht es nicht gut oder mir geht es sehr gut, dann weiß ich sofort, dass mit dem Kind automatisch was mit passiert. Denn du musst dir vorstellen, Wenn du schwanger bist und jetzt ist ein kleiner Exkurs, ab dem Moment der Zellteilung merkt sich jeder Zellkern, das ist wirklich wie eine Dauererinnerung, jeder Zellkern merkt sich, was für eine Hormonausschüttung hatte die Mutter, welche Befindlichkeit hatte die Mutter, wie ging es ihr, was hat sie für Erfahrungen gemacht und das bleibt in meiner Zelle. Das heißt, deswegen ist es total logisch, dass mein Körper
Katja Westerbarkey: ab Moment der Zellteilung sich an alles erinnert, was geschehen ist, denn es ist in der Zelle drin. Zellen erneuern sich, das ist das Schöne, das heißt, ich kann auch neue Erfahrungen machen. Aber so entstehen frühkindliche Prägungen. Und das finde ich super spannend zu wissen. Also noch mal zurück, unser Körper reagiert noch bevor ich weiß, was ich fühle. Das Herz kann schneller schlagen, vielleicht schwitze ich, vielleicht atme ich auch ruhiger. Vielleicht spannen sich die Muskeln an oder entspannen sich und Hormone und Neurotransmitter werden ausgeschüttet. kann Dopamin, kann Adrenalin, das kann das wunderschöne Oxytocin sein, unser Bindungshormon, das uns ganz viel coreguliert. Also Oxytocin, mein absolutes Lieblingshormon schlechthin. Dann interpretiert mein Gehirn die Körperreaktion. Das heißt, jetzt setzt das Gehirn alles zusammen. Die Situation den Körperzustand, frühe Erfahrungen und auch eine gelernte Bedeutung. Also so wie ich halt auch groß geworden bin. Erfahrungen, Bedeutung, Bindungsmuster. Und genau diese Interpretation ist das Gefühl. Zum Beispiel Herzklopfen plus Unsicherheit. Das kann sein, ich habe zum Beispiel Angst, vor einem großen Publikum zu stehen. Oder das Kind hat Angst, Publikum zu tanzen oder ein Gedicht aufzusagen. Ganz klassisch an Weihnachten, wir wollen die Kinder sagen, ein Gedicht auf. Wir wollen. Ja, für das Kind ging die ganze Kaskade los und der Ursprung kann schon sein, dass es die Mama in der Schwangerschaft auch nicht gerne gemacht hat. Nur als Beispiel, das muss nicht, aber das kann. Zusammengefasst, meine Erfahrung formt mitunter meine Gefühle. Also Gefühle sind nicht angeboren wie Reflexe, sondern sie werden mit der Zeit gelernt. Kindheit, Kultur, Beziehungen, meine persönliche Geschichte und ganz, ganz, ganz viel duch Bindung und auch viel durch Vorleben. So wie ich mit meinem Partner, mit dem anderen Elternteil umgehe, mit meiner eigenen Mutter, mit Freunden. Kinder schauen es sich ab und spüren unsere zwischenmenschlichen Gefühle. Und auch das kann eine Erfahrung machen. Und wenn wir uns nochmal, jetzt kommt das traumasensible dazu,
Katja Westerbarkey: mal wirklich alles genau anschauen, spielt die Amygdala, unser Alarmzentrum, eine große Rolle. hier Flucht, Fight or Flight. Also starte ich vielleicht sogar, kämpfe oder ich fliehe. Das limbische System kommt dazu. Das heißt, es ist wirklich mein Zentrum für die Gefühle und das reagiert plötzlich schnell. Es ist gefährlich, es ist angenehm, es ist wichtig und das steuert Emotionen und Triebe. Wichtig ist wirklich zu wissen, dass es dieses Zusammenspiel ist mit unserem präfrontalen Kontext, also der, der denkt. Das heißt, so wie du gesagt hast, Susanne, wenn dein Kind Wut hat, große Trauer hat, Schuld hat, einen Scham hat oder auch viel Freude hat, fühlt es immer das Gefühl erst im Körper. Kriegen wir auch mit, wenn die Kinder so hibbelig sind, vor Freude und nicht mehr schlafen können. Und dann kommt erst dieses Gefühl. Das heißt, Kinder sind oft überwältigt von ihren Gefühlen, weil sie nicht genau wissen, und da spielt die Erfahrung auch wieder eine Rolle, wie kann ich mich regulieren in einem Gefühl. Deswegen gibt es ja so Gefühlsstürme, deswegen gibt es Ausbrüche. Wie du gesagt hast, und deswegen, feier ich das so, da sich alles im Körper speichert, ist es so wichtig, das auszuleben. Also auch mal zu schreien oder auch die Tränen fließen zu lassen oder Dann schleudere ich halt mal irgendeinen Gummiball oder was weiß ich ins Eck oder dann knallt es mal mit den Türen, solange ich niemand anderen verletze. Es muss oder ich schreie, es muss aus dem Körper bei den Kindern einfach raus. Deswegen, sie dürfen die Gefühlsstürme haben, natürlich dürfen sie niemanden verletzen. Also wir bewegen uns natürlich in einem bestimmten Rahmen. Und das ist so wichtig, weil dein Kind dann die Erfahrung macht, wenn ich dieses Gefühl den Sturm halten kann als Erwachsener, macht ein Kind die Erfahrung, ich darf so sein, wie ich bin und ich darf das, was ich fühle, fühlen. Denn wenn das passiert, Susanne, was du vorher beschrieben hast, mein Kind geht in sich, es schluckt die Wut herunter, es will nicht traurig sein, es will nicht der Mama oder den Papa zur Last fallen, speichert es sich wieder im Körper. Dadurch wird übrigens auch Krankheit verursacht, unser Nervensystem.
Katja Westerbarkey: wird überhaupt nicht reguliert und bei nächsten kleinen Aktion, als es wie so ein Pulverfass, das sich langsam füllt, muss irgendwann mal der Ausbruch kommen und wenn er das nicht tut, wird er durch Krankheit ausbrechen. Das ist Fakt. Deswegen freu dich, wenn es einen Gefühlsturm gibt, auch wenn es anstrengend ist und ko-reguliert dein Kind gleichzeitig, indem du ihm zusicherst, du darfst dieses Gefühl haben und ich brauche keine Worte dafür verwenden. sondern ich bin da, ich reguliere mich selber, ich mache es wirklich oft durch Atmung. Und wenn mir das selber nicht gelingt, dann sage ich aber auch zu den Kindern, mir ist es gar zu viel, ich muss jetzt aus der Situation raus und ich gehe dann auch kurz raus, weil es ist mir zu viel. Mein Kind darf es so sein, mir ist es zu viel. Deswegen ist es so wichtig, präsent zu sein. Was nicht heißt, es aushalten zu müssen, wenn ich selber merke, ich kann nicht. sondern zu sagen, ich muss kurz raus und wenn ich merke, jetzt geht es wieder, gehe ich hin und signalisiere durch meine Anwesenheit und durch meine eigene Regulation, es ist völlig in Ordnung, dass du so sein darfst und ob Trennung oder nicht, es ist total wurscht. Wir haben Gefühle, wir sind Gefühlsmenschen. Es ist so. Wir dürfen die immer halten und willkommen heißen, denn Gefühle sind da.
Susanne Pehse: Hm.
Katja Westerbarkey: zu fühlen und stell dir wirklich mal vor wir hätten keine Gefühle, wir würden so viel schönes einfach auch verpassen und das Nervensystem ist ja ganz leicht zu beruhigen wenn ich weiß wie ob das wieder durch Berührung ist ja nehme ich mein Kind in die Arme, wenn es traurig ist was passiert Oxytocinausschüttung oder ob ich es durch eine Atmung regulieren oder ob ich durch tanzen was ich mit den Kindern immer wieder mache, manchmal vergesse ich es, ist wenn ich merke sie sind zu unruhig oder sie können sich schlecht konzentrieren, mache ich eine Musik an und wir schütteln und tanzen uns wirklich. Ein ganzes Lied, ausgepowert und dann setzen wir uns nochmal hin. Das klappt natürlich auch nicht immer, aber es klappt auch ganz oft. Und deswegen, ich möchte ihnen mitgeben und das ist mein Lieblingsspruch hinter jedem. Verhalten des Kindes steckt eine positive Absicht. Das heißt, es ist gut, wenn ein Kind die Gefühle körperlich zeigt. Ich weiß nicht, wie es benennen soll, aber es ist einfach meine Leidenschaft zu sehen, dass wir fühlen. Auch wenn wir alle wissen, es gibt Gefühle, sind anstrengender. Du hast es vorher gesagt, Susanne, es gibt keine guten und schlechten Gefühle, sondern wir wissen und haben jetzt gelernt,
Susanne Pehse: Danke.
Katja Westerbarkey: Das ist eine Erfahrung, dass ein Gefühl bewertet wird. Aber ich darf genauso eine Sehnsucht fühlen, darf sogar genauso eine Traurigkeit fühlen. ich darf auch mal Scham fühlen. Es ist anstrengend, aber das darf gefühlt werden. Und sobald du weißt, und das ist der Game-Changer für dich und für dein Kind, sobald du weißt, dass dir nichts passiert, wenn du es fühlst,
Susanne Pehse: Ja.
Katja Westerbarkey: außer dass es vielleicht anstrengend ist. Es passiert dir nichts. Du und dein Körper, du bist safe. Dann fällt es uns viel, viel leichter, Gefühle anzunehmen und zu fühlen. Und ich sage bewusst nicht aushalten, weil es oft zu negativ behaftet ist. Ich muss was aushalten. Sondern ich möchte bewusst sagen, sie zu fühlen und zwar zu Ende zu fühlen. So, dass ich merke, deswegen
Susanne Pehse: Mmh.
Susanne Pehse: Hm.
Katja Westerbarkey: sind meine Gefühle körperlich auch anstrengend, weil sie im Körper sind und endlich gefühlt werden dürfen und raus dürfen. Ich habe wahnsinnig ausgeholt.
Susanne Pehse: Ja, Katja, ich dir so... Also, super spannend. Danke für diesen Einblick. Und jetzt mag ich dich trotzdem noch mal fragen, wir beamen uns jetzt mal in eine Situation hinein und die kennen wir beide ja auch, Katja. Wir sind ja beides Trennungsmamas. Und während ich dir so zugehört habe, ich, bin ja jetzt seit zehn Jahren getrennt. Die Kinder waren noch recht klein bei der Trennung und ich habe mich in wirklich herausfordernden Situationen wieder zurückgebeamt und mich auch in Situationen gesehen, wo ich nicht adäquat reagiert habe. Wo ich überfordert war mit den Gefühlen meiner Kinder und da auch mal laut geworden bin oder das stoppen wollte oder so, weil ich selber damit nicht zurechtgekommen bin. Hast du einen Tipp Katja, wenn ich mich in der Situation befinde? Wie so ein Quick-Tipp, ja? Also so ein... Also ich habe schon herausgehört, ich darf das auch benennen. Also ich darf auch benennen, wie es mir dabei gerade geht. Ich darf auch benennen, dass ich gerade kurz den Abstand brauche, dass ich hier bin, wenn mein Kind mich braucht. Gibt es noch irgendwas anderes, was du vielleicht noch als praktischen, ich nenne es jetzt mal Tipp mitgeben kannst?
Katja Westerbarkey: Ich kenne es genauso wie du und vielleicht hilft es, ich ein Beispiel nehme. ich merke, zum Beispiel meine Tochter kommt jetzt in den Pubertätsschub, was ich schon anspruchsvoll finde, weil es so wechselhaft ist. wenn sie auf mich zukommt und mir so Dinge in Form der Trennung, aufgrund der Trennung an den Kopf schmeißt, merke ich, dass ich am liebsten aus der Emotion heraus handeln würde und weiß, dann würde ich verletzende Sachen sagen. Auch das ist mir passiert. Ich habe gemerkt, das tut uns beiden null gut. Überhaupt nicht gut. Aber aus der Situation zu gehen war in diesem Beispiel genauso schlecht, weil sie ging mir hinterher. Also sie lässt dann nicht los. Und als Tipp vielleicht hilft er dir. Mir hilft er wahnsinnig. Das ich, klar jetzt ist sie natürlich auch schon älter, dass ich zu ihr sage, für mich ist es gerade keine Basis zu sprechen. Ich bin da und ich rede mit ihr, wenn wir beide reden können. Oder wenn die Kinder kleiner sind und so einen Gefühlssturm haben oder den Papaz oder die Mama zum Beispiel vermissen. Und ich bin aber verletzt von meinem Partner, mir auch zu sagen, wie du gesagt hast. Das ist sein Gefühl und ich darf lernen mein Ego verdammt nochmal zurückzustellen. Es geht jetzt nicht um mich und da sind wir wieder beim inneren Kind. Mein Tipp, Reflektion und Reflektion nicht nur in so krassen Situationen, sondern auch in Situationen wo es mir gut geht, wo ich mich wohlfühle, wo ich mich sicher fühle. Immer mal wieder zu reflektieren, wie geht es mir, was macht mein Körper, was passiert gerade ohne Analyse.
Susanne Pehse: Hm.
Katja Westerbarkey: Und dann kann ich in solchen Situationen sagen, okay, ist es jetzt meins oder ist es jetzt deins? Und wenn es deins ist, was brauche ich jetzt gerade? Es ist oft einfach die Atmung, reguliert. Es mir selber zu benennen. Ich rede auch manchmal mit mir selber. Und dann ist es bei mir raus und ich kann mein Kind besser halten. Ich weiß nicht, ob das als Tipp vielleicht hilft.
Susanne Pehse: Find ich total gut Katja, also einmal war was dabei für...
Katja Westerbarkey: Und Übung. Auch hier wieder Übung. Auch hier wieder Übung. Wir haben es in der neuen Folge, die jetzt dann kommt, haben wir es auch schon benannt. Ein kleiner Spoiler. Es ist eben alles ein Prozess. Das ist alles ein Prozess und ich darf mir bei allem Zeit geben und ich darf mir auch bei meiner eigenen Regulation, wenn ich es nicht gelernt habe, Zeit geben. Und genau dafür ist es ja so gut, dass es uns gibt. Schau, lass dich auch mal von jemand anderem reflektieren. Was ist deine Bindung?
Susanne Pehse: Mmh.
Katja Westerbarkey: Hast du gelernt zu fühlen? Durftest du überhaupt fühlen? Steckt vielleicht ein Trauma dahinter, das in deinem Körper ist. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich unfähig bin, sondern ich habe es nie gelernt oder ich dürfte es nie sein.
Susanne Pehse: Ja, Katja, ist so so wichtig tatsächlich. Und das mag ich hier an der Stelle noch mal kurz aufgreifen. Nicht in diesem Moment versuchen, eine Klärung herbeizurufen, sondern in diesem Moment wirklich erst mal zu schauen, wie kann ich diesen Gefühlssturm auffangen? Wie können wir beide wieder in eine Verbindung kommen letzten Endes und mich dann aber den nächsten Tag oder am Abend oder wann auch immer ich sich hinzusetzen und sich mal die Situation zu notieren und zu sagen, in der Draufsicht und da Katja, bin ich total bei dir, nicht zu bewerten, sondern sich die Ist-Situation einfach nochmal im Hinterkopf zu bewahren. Ich weiß nicht, ob du Chat GPT nutzt. Ich muss sagen, ich nutze es manchmal auch, vielleicht ein Tagebuch zu führen. Oder, oder, ich will jetzt nicht sagen, dass Chat GPT dein Begleiter werden soll. Aber zumindest kannst du dort mal die Situation noch mal niederschreiben und wie so eine Art Tagebuch führen und zu sagen, wie war denn dort die Ist-Situation? Wie habe ich denn reagiert und wie möchte ich beim nächsten Mal anders reagieren? Und vor allem, was brauche ich dafür? und da waren jetzt wirklich gute Ansätze dabei. Und du hast, hörst sicherlich beim Zuhören, merkst du schon, das ist ganz schön komplex. Und das ist auch ein komplexes Thema, Katja, weil ich wieder in meiner Vergangenheit, ich war jetzt, ich bin immer, wenn du sowas, wo du das jetzt so erzählst, habe ich gedacht, ja warte, wie war meine Kindheit? Nee, Wut durfte da nicht da sein. Ja logisch. Na klar konnte ich, wenn meine Tochter wütend war, gar nicht darauf so wirklich reagieren, weil ich wirklich sofort stoppen wollte. Heute mache ich das ganz anders, weil ich irgendwann in diese Persönlichkeitsentwicklung reingegangen bin und Dinge jetzt ganz anders sehe. Also es lohnt sich, wie du schon sagst, Katja, bei sich hinzuschauen, jemanden dritten mit hinein zu holen und mal diese Reflektion zusammen
Susanne Pehse: zusammen zu gestalten. Also Katja, ich merke schon, das ist eine super spannende Folge. Die ist und vor allen Dingen ist die so so wichtig. Ich muss jetzt mal schauen, wie ich den Übergang quasi finde zum nächsten Thema oder beziehungsweise was eigentlich noch wichtig ist, was wir jetzt noch nicht gesagt haben. Was mir noch wichtig ist, nicht alles bezieht sich auf die Trennung. Also nicht jede Wut. ihr wisst ja, Kinder sind ja in den verschiedenen Lebensphasen, ja in den verschiedenen Phasen sowieso als Teenager, als in der Autonomiephase mit drei, vier Jahren und so weiter und so fort. Das heißt also entkoppel bitte, dazu möchte ich dich jetzt animieren, den Gedanken, dass alles mit der Trennung zu tun haben könnte. Sie haben ihre eigenen Themen, sie haben ihre eigenen Erlebnisse. Gerade Teenager, die ziehen sich zurück. Das ist ganz normal. die werden dir auch nicht mehr alles erzählen, wenn die in dem Alter sind. Du bist nicht der beste Freund oder die beste Freundin, solltest du zumindest nicht sein. Das soll es an ein anderes Umfeld dann auch geben. Und da wirklich erst mal zu schauen, nicht zu überinterpretieren und gleichzeitig den Blick auf das eigene Kind natürlich zu behalten, ist klar. Aber nicht immer alles das als Projektionsfläche zu nutzen. Und was auch noch wichtig ist, das habe ich hier mit reingenommen in das Thema, nämlich die Übergänge nach Umgängen. Da ist es häufig so, Katja, dass Gefühlsstürme gerade in den ersten zwei Tagen an der Tagesordnung sind und Eltern das oft falsch interpretieren, gerade wenn ich keinen guten Zugang zum zweiten Elternteil habe und das so interpretiert wird, als wäre dort irgendwas passiert. Ist ja logisch. Da wurde wieder zu viel Fernsehen geschaut, zu viel Pizza gegessen, zu viel keine Ahnung was.
Susanne Pehse: ja, aber hier an der Stelle, lasst dir gesagt sein, das ist ganz normal. Kinder müssen erst mal in diesen Übergang wieder ankommen und dann kommt noch dazu, wenn du der Elternteil bist, wo sie Gefühle zulassen können und vielleicht der andere eben noch da drin steckt, dass er selber gar nicht keinen guten Zugang zu seinen Gefühlen hat, dann bist du die Tankstelle. Und da wird abgezapft und da wird aber auch ein Gefühl oder mehrere da gelassen. Ja, also das kann sich anfühlen wie so ein Wumms. Und du denkst dir, was habe ich denn jetzt gemacht? Du hast gar nichts gemacht. Du bist die Person, wo sich dein Kind sicher und aufgehoben fühlt. Und ich weiß, das kann irre anstrengend sein. Und deswegen ist diese Folge gerade für dich. Wenn du manchmal das Gefühl hast, ich bin hier wirklich, ich bin total am Boden, weil ich muss immer diese Gefühlsstürme auffangen. Das bedeutet nicht. das gut zu heißen, was vielleicht beim anderen, beim zweiten Elternteil fehlt, aber gleichzeitig eben dir zu sagen, okay, hier biete ich zumindest einen sicheren Raum. Und da kann wir, können wir und da bin ich wieder bei den Ritualen. Schau, vielleicht kannst du, hast du ein Ritual, wenn dein Kind wiederkommt. Ich weiß noch, tanzen war unser Ritual. Die Kiddies kamen am Freitag wieder vom Papa und wir hatten Tanzabend. so entweder Picknickabend oder beides. Und dann wurde erstmal in der Küche ordentlich getanzt und das war und die Kinder haben sich verkleidet und so weiter und so fort. Also da gibt es noch Videoaufnahmen. Das ist so süß. Und ich wusste damals,
Susanne Pehse: gar nicht, warum wir das machen. Aber jetzt weiß ich das. Also, Rituale, haben sich manchmal so automatisch entwickelt. das ist voll schön.
Katja Westerbarkey: Vielleicht hast du es auch gebraucht. Vielleicht hast du es irgendwie auch gebraucht, einen Freudentanz aufzuführen, dass die Kinder wieder da sind und hast die Kinder mit ins Boot geholt. Mir ist noch eins eingefallen, Susanne, weil du erzählt hast, dass nicht alles mit der Trennung zu tun hat. Ich finde auch, oder mit den Umgängen gestalten. Wir dürfen auch gern, wenn uns auffällt, vielleicht hat mein Kind mehr Gefühlsstürme oder Ausbrüche seit der Trennung. Oder ist vielleicht in der Schule irgendwie schlechter geworden? Also das kann mit der Trennung, muss aber nicht. Je nachdem, wie gut verstehe ich mich mit dem anderen Elternteil zusammenhängen. Ich darf auch mal Kindergarten und Schule mit ins Boot holen. Also ich darf auch ein Gespräch mit der Lehrerin führen oder mit dem Erzieher und sagen, so und so ist unser jetziger Stand. Was ist Ihr Eindruck? Und das kann wahnsinnig unterstützend sein, wirklich unterstützend sein, dass sie sagen,
Susanne Pehse: Wichtig.
Katja Westerbarkey: haben wir jetzt überhaupt nicht den Eindruck und dann weiß ich, es liegt wohl irgendwie vielleicht auch an einem Entwicklungsschub. Es liegt vielleicht einfach auch nur am Alter und ich kann wieder aus meiner Überinterpretation der Trennung rausgehen. Das war mir noch wichtig zu sagen, weil ich darf mir immer Unterstützung bieten. Es ist ja nicht nur für mich, es ist ja auch für das Kind. Es kann eine totale Erleichterung sein.
Susanne Pehse: Mhm.
Susanne Pehse: Ja, und du sprichst was wichtiges an, Katja, weil das, du ansprichst, ist, wird auch ein Thema unseres Podcasts sein, nämlich das Thema Umfeld. Wie kann ein Umfeld Bereicherung sein und wann ist ein Umfeld eben keine Bereicherung? Weil wir wollen ja gerne, dass wir ein Umdenken in der Trennungswelt herstellen und da spielt das Umfeld so eine elementare Rolle.
Katja Westerbarkey: Mh.
Susanne Pehse: Katja, ich würde jetzt so langsam zum Ende kommen und würde unseren Podcast zusammenfassen. Also was hast du heute gehört? Du hast vor allem gehört, dass Gefühle da sein dürfen, dass wir sie nicht lösen oder reparieren müssen, sondern dass wir annehmen dürfen und dass wir auch ein Stück in die Führung gehen dürfen, dann im Nachhinein als Erwachsene. Und das ist wichtig ist zu wissen, Katja, und das habe ich heute auch von dir mitgenommen, wie entstehen denn Gefühle überhaupt? Wo entstehen sie? Und wie kannst du sie gut begleiten? Und du hast heute auch gehört, wie du dich in diesem Gefühlssturm festhalten kannst. Da haben wir dir ein bisschen was mitgegeben und wie du dich vor allem danach auch ein Stück weit reflektieren kannst. Und wenn du eine Draufsicht möchtest, Katja und ich, sind da, Gefühle der Kinder zu begleiten, dich da ein Stück weit zu unterstützen, ist immer Teil meiner Arbeit als Trennungsbegleiterin und Katjas Arbeit sowieso. jetzt habe ich unseren Podcast.
Katja Westerbarkey: Dann melde dich einfach bei uns. Melde dich einfach bei uns. ist wirklich, auch wir machen das ja, ja. Wir lassen uns ja auch immer mal wieder coachen oder wir gehen auch immer mal wieder zu jemandem, der von außen draufschaue. Es ist einfach so, dass ich manchmal nicht allein weiterkomme und es ist nur ein Geschenk und für uns und ich spreche jetzt glaube ich auch in deinen Namen, Susanne, für uns ist es ein großes Geschenk, dass wir wissen, dass ihr den Podcast hört, nicht damit ihr uns toll findet, weil unser, unsere Intention ist, wirklich den Kindern und dir als Elternteil was mitzugeben, dass alles so wie es ist und so wie wir es dir erklären, gut ist und da sein darf. Und wir wollen einfach wirklich von ganzem Herzen, dass Kinder in der heutigen Zeit unter Trennungen einfach nicht mehr so stark leiden müssen und wir als Eltern dahin kommen können, es einfach friedlich zu lösen. So gut wie es geht, etwas so gut wie es geht.
Susanne Pehse: Ja.
Katja Westerbarkey: Und wenn ich als einer der Elternteile was dafür dabei steuern darf, dann ist es ja schon viel mehr wert, wie wenn es keiner macht.
Susanne Pehse: ist es. Und vor allem Katja, stehen wir dafür, dass dein Kind später einmal sagen kann, ich hatte eine schöne Kindheit trotz der Trennung meiner Eltern. Und damit schließen wir diese so wichtige Folge und freuen uns, wenn du uns das nächste Mal wieder zuhörst.
Susanne Pehse: Tschüss!
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