Schuldgefühle nach der Trennung: Warum euer Kind klare Grenzen braucht.
Shownotes
Viele Eltern kennen diesen Moment: Du lässt Dinge durchgehen, die dir eigentlich wichtig sind. Nicht, weil du deine Haltung verändert hast, sondern weil Schuld und Scham die Führung übernommen haben.
In dieser Folge sprechen wir darüber, was Schuld und Scham nach einer Trennung mit dir als Elternteil machen und warum genau diese Gefühle dazu führen können, dass du weniger Grenzen setzt. Gleichzeitig schauen wir darauf, warum dein Kind gerade jetzt Orientierung, Sicherheit und klare Führung braucht.
Gemeinsam mit Katja werfen wir einen traumasensiblen Blick darauf, was in deinem Nervensystem passiert und wie du aus der Überforderung wieder in deine Verantwortung findest.
Du erfährst in dieser Folge:
✅ warum Schuld ein bindungsbezogenes Gefühl ist ✅ was der Unterschied zwischen Schuld und Scham ist ✅ warum Überkompensation oft aus Schuld entsteht ✅ weshalb fehlende Grenzen Kinder verunsichern ✅ wie du wieder in deine innere Führung findest
Unsere Unterstützung für dich:
Die Begleitung deines Kindes ist fester Bestandteil meiner Arbeit als Trennungsbegleiterin für Familien. Wenn du dir wünschst, die Gefühle eures Kindes sicher zu begleiten und gleichzeitig selbst handlungsfähig zu bleiben, dann vereinbare jetzt ein Kennenlerngespräch mit mir. Wir schauen gemeinsam auf deine Situation und finden Lösungen:
Kennenlerngespräch mit Susanne Pehse: https://www.trennungsbegleiterin.de/termine
Katja Westerbarkey – traumasensible Gefühlscoachin Mehr zu Katjas Arbeit rund um Nervensystem, Gefühle und Koregulation findest du hier: https://www.katja-westerbarkey.com/
Transkript anzeigen
Susanne Pehse: nicht schlimm, weil ich hole es gleich wieder hervor. Aber dann muss ich den Anfang einfach wegschneiden. Ja, das passt.
Susanne Pehse: Vielleicht kennst du dieses Bild. Dein Kind sitzt abends auf dem Sofa mit dem Tablet in der Hand. Eigentlich war bei euch immer klar, Bildschirmzeit endet 19 Uhr. Aber heute nicht. Heute ist es halb neun und du sagst nichts. Nicht weil du eure Regeln geändert hast, sondern weil da dieser eine Gedanke ist. Mein Kind hat durch die Trennung schon so viel verloren und musste so vieles durchmachen. Viele getrennte Eltern kennen genau diesen Moment. du bist damit nicht alleine. Wir drücken ein Auge zu, manchmal auch zwei. Und zwar nicht, weil uns unsere Werte oder Regeln plötzlich egal sind, sondern weil dieses Gefühl da ist. Dieses große Gefühl von Schuld und Scham. In dieser Folge sprechen wir darüber, was Schuldgefühle nach einer Trennung mit Eltern machen und warum Kinder gerade in dieser Zeit etwas brauchen. dass viele Eltern ihnen ausgerechnet dann nicht mehr geben, nämlich klare Grenzen.
Katja Westerbarkey: Ich schaue heute mit euch aus einer traumasensiblen Perspektive darauf, was Schuld und Scham, was riesengroße Gefühle sind, in unserem Nervensystem auslösen und warum genau diese Gefühle dazu führen können, dass wir Konflikte eben vermeiden oder plötzlich Dinge erlauben, die wir eigentlich überhaupt nicht wollen.
Susanne Pehse: Katja, wir fangen mal an mit der ersten Frage. Du hast heute den Hauptteil in unserem Podcast und ich bin selber sehr, sehr gespannt, was du uns mitgeben möchtest. Wenn Eltern nach einer Trennung Schuld empfinden, was passiert emotional in ihnen? Also was macht dieses Gefühl oder diese Gefühle Scham und Schuld mit unserem inneren System?
Katja Westerbarkey: Schuld und Scham sind sehr tiefe Gefühle, sehr starke Gefühle. Und wenn ich nach einer Trennung als Elternteil oder auch bei den Eltern das Gefühl der Schuld empfinde, es ist so ein bisschen paradox, denn Schuld ist im Grunde ein sehr bindungsbezogenes Gefühl. Das heißt, ich habe so ein bisschen das Gefühl, ich habe meinem Kind was angetan. Also es liegt auch ein Stück weit in meiner Verantwortung und es ist möglich, dass mein Kind aus der Bindung von mir herausgeht. Das kann Schuld auslösen, wenn ich sie nicht reguliere. Auf Nervensystemebene, nur das mal auch für unseren Verstand zu beleuchten, bedeutet das: Schuld kann auslösen, Gott, ich bin bedroht. Also es aktiviert mein absolutes Bedrohungssystem. Unser Sympathikus ist zuständig für Aktion, für Flucht, für Kampf. Da sind wir in Aktion, da sind wir im Tun. Wir haben innere Unruhe oder grübeln oder haben auch ganz oft den Drang, wieder gut machen zu müssen. Gleichzeitig aber kann auch Schuld auslösen, dass wir in eine Unterwerfungs- oder sogar in so eine Kollapsreaktion gehen. Da sind wir beim dorsalen Vagusnerv. Wir haben ganz am Anfang unseres Podcast habe ich auch mal ganz ausführlich darüber gesprochen. Du darfst dir da gerne auch diese nochmal zu Gemüte führen, dass du ein bisschen mit dabei im Boot bist. Heißt, ich habe so ein bisschen den inneren Konflikt zwischen, ich will was reparieren, aber ich fühle mich gleichzeitig total unfähig dazu, weil ich auch in eine Unterwerfung gehe. Und wir kennen das ganz oft oder vielleicht kennst du das auch oft, wenn du Schuld empfindest, dann möchtest du was wieder gut machen und wir gehen in eine gewisse Art von Mangelzustand. Auch meine Körperhaltung kann sich ein bisschen verändern. Ich gehe mit den Schultern nach vorne, ich gehe in so einen Mangel. Meine Augen sind vielleicht traurig und Schuld ist sehr nah verbunden an der Scham. Also ein Schuldgefühl kann auch ein Schamgefühl auslösen.
Katja Westerbarkey: Dennoch ist Schuld eher was Aktives. Was wichtig zu wissen ist, dass Schuld in einer regulierten Form sehr verbindend sein kann. Das bedeutet, sie zeigt mir, dass Bindung wichtig ist. Und wir fühlen uns ja den Kindern gegenüber schuldig. Bedeutet, ich fühle mich meinem Kind verbunden. Sonst hätte ich dieses Gefühl ja gar nicht. Und das dürfen wir auch beleuchten. Also das dürfen wir auch immer. bin eine gute Mama, weil ich habe dieses Gefühl, weil ich möchte die Bindung zu meinem Kind ja weiter haben. Im dysregulierten Zustand, also wenn ich mir dessen nicht bewusst bin, kann das Gefühl der Schuld auch eine Überverantwortung bedeuten und auch auf eine Selbstabwertung. Sowas wie ich bin ein schlechter Papa oder eine schlechte Mama, bin ich gut genug für die Kinder, ich bin Jetzt in unserem Beispiel, setze ich sich sowieso keine Grenzen. Also auch hier, ich gehe wieder mit meinem Körper nach vorne in den Mangelzustand oder ich gehe in eine Überverantwortung. Das darfst nicht, das darfst du nicht, das darfst du Wir machen das so, so, so, so, so. Und dadurch kann ich dem Kind die Autonomie und Selbstwirksamkeit entziehen, was wieder ungut für die Bindung ist. Also wenn ich die Schuld gut regulieren kann, kann ich in die Verantwortung gehen. kann ich in die Bindung zum Kind gehen und gesund Grenzen und auch meine eigenen Grenzen setzen. Dysreguliert gehe ich oft in eine Selbstabwertung, das kennen wahrscheinlich ganz viele, oder eben in eine Überverantwortung. Genau, das kann Schuld und auch Scham in uns auslösen, wobei ich jetzt mehr auf die Schuld eingegangen bin.
Susanne Pehse: Ja, und ich bin gerade noch so drin in deinen Erzählungen, weil ich das sehr, sehr spannend finde. Und was ist denn der Unterschied zwischen Schuld und Scham? Also ich weiß, die beiden kommen ja wie so Geschwister, so Händchen haltend, so meistens zusammen die Ecke. Und warum wirken denn beide Gefühle so stark auf uns?
Katja Westerbarkey: Das ist eine super spannende Frage. Ich muss selber erstmal so bisschen in mich gehen. Die Schuld ist, wie ich gesagt habe, oft so dieses, ich habe was falsch gemacht. Und die Scham ist eher dieses, ich bin falsch. Also ich schäme mich, weil ich bin falsch. Ich bin eine falsche Mutter. Ich bin nicht fähig. auf die Kinder gut aufzupassen. Da gehe ich in eine Scham und die Schuld aktiviert mich eher. Ich habe was falsch gemacht und die ist eher handlungsorientiert. Ich will was wieder gut machen. Und die Scham, bringt mich eher, wie soll ich sagen, in so ein Identitätsgefühl. Warum die beiden auch so stark sind, dass beide Gefühle evolutionär an Bindung gekoppelt sind. Die Scham als Identität auch zu mir selber und dadurch bedroht sie so ein bisschen das Zugehörigkeitsempfinden. Wenn ich mich schäme, ziehe ich mich zurück. Ich gehe aus der Gruppe raus. Ich gehe vielleicht auch aus dem Familienkontext raus, aus dem Umfeld raus. Ich gehe kurz aus dem Kind raus. Das heißt, es entbindet mich oder es kann mich entbinden. Fürs Nervensystem bedeutet es wieder, dass immer wenn ich sozial abgelehnt werde oder mich selber ablehne, eine absolute Gefahr für mein Nervensystem. Gott, weil wir sind Bindungsmenschen. Wir sind Säugetiere, die in einer absoluten Bindung sind. Und hier gilt nochmal zu sagen, nicht dass alle Kinder traumatisiert sind, Gottes Willen, aber wir haben alle, unsere Generation, so kleine Mikrotraumen. Und Traumen passieren meistens in Bindung mit jemand anderem. Nicht tatsächlich die Geschichte selber, der Unfall selber, sondern wie wurde danach mit mir umgegangen? Also wie wurde ich aufgefangen, wie war das Netz? Und dementsprechend kann ich auch in Bindung wieder heilen. Das ist wichtig, wichtig zu wissen, denn wenn wir in Bindung sind und wir schämen uns, nehmen wir uns aus dieser Bindung heraus. Deswegen empfinden wir das als so intensiv. Ich bin alleine. Die Scham kann das Gefühl verursachen. Ich bin...
Katja Westerbarkey: alleine und sie aktiviert oft so eine Mischung aus Freeze, also aus einer Erstarrung und so einem Kollaps. Ich mache mich klein, ich bin nicht fähig. Also ich bin eingefroren und klein oder vielleicht auch wertlos, wenn ich es ganz weit nehme. Und wenn ich mit der Schuld, wieder in die Schuld zu gehen, in eine Hyperaktivierung gehe, dann sind wir Eltern, und das sehe ich auch immer wieder oft in der Überkompensation, ich muss schnell alles wieder gut machen. Okay, dann Tabletzeit so und so, weil wir in Bindung mit dem Kind bleiben wollen, weil wir dann denken, unser Kind mag uns lieber. Obwohl ich ja die ganzen Strukturen und die Sicherheit zunichte werfe. Das heißt, mein Kind mag mich nicht lieber, ist utopisch zu denken, sondern es kommt vielleicht in eine Verunsicherung. Und dann kommt es eventuell zu Machtkämpfen. Und dann wiederhole ich mich, das heißt ich fühle mich wieder schuldig, weil ich vielleicht geschimpft habe, dann schäme ich mich, weil ich vielleicht laut geworden bin. Schuld und Scham sind so intensiv, weil sie unser Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit und Bindung berühren. Deswegen berühren uns diese beiden Gefühle sehr extrem und sehr stark.
Susanne Pehse: Hmm.
Susanne Pehse: Ja, und Katja vielleicht ist das auch ganz oft der Moment, wo es zu einer Rollenverschiebung kommt. Das ging mir gerade durch den Kopf. Also wenn ich Schuld und Scham empfinde, so wie du es gerade erzählt hast und du hast gerade gesagt, auch es kommt zu einer Art Machtverschiebung oder sowas. Und ganz oft sprechen wir ja gerade in Trennungen von Parentifizierung. Also das Kind übernimmt eine Rolle, was
Katja Westerbarkey: Mhm.
Susanne Pehse: nicht zu ihm gehört. Und wenn ich in diesem Scham und Schuldgefühl versinke, übernehme ich auch keine Führung mehr. Ich gebe keine Orientierung. Das heißt, irgendwo muss ich das Kind orientieren und im schlimmsten Fall orientiert es sich an sich selbst. Und je kleiner Kinder sind, wissen wir, umso wichtiger sind auch Grenzen und Regeln. Das haben wir in der vorhergehenden Podcastfolge ja auch beleuchtet, beziehungsweise das ist ja auch ein Stück weit unser Thema heute. Macht das mit Grenzen.
Katja Westerbarkey: Du sagst was ganz wichtiges, diese Rollenverteilung. Sobald ich als Elternteil, als führende Person in, mir fallen jetzt gerade so viele Begriffe ein, in die Herde gehe. Also mir fällt wieder diese absolut klassische Familiendynamik ein, über die wir auch schon öfter gesprochen haben. Ich gehe aus meiner Leitwolf-Position raus in die Herde, weil ich mich schäme, weil ich mich ducken will und weil ich mich schuldig fühle, muss mein Kind die Führung übernehmen. Und dann haben wir, wie du sagst, diesen Rollenkonflikt, diesen Rollentausch und das ist ungesund. Denn ein Kind darf nie zuständig sein für die Führung in der Familie. Ich darf es mit einbeziehen, aber es ist meine Aufgabe. Deswegen darf mir immer bewusst sein, was Scham oder Schuld in mir auslösen. Ich darf sie fühlen und darf dementsprechend wieder in die Regulation gehen. Okay, auch wenn mein Verstand dann bedienen und mir sagen, ich hatte Gründe oder ich kann mich wieder aufraffen, ich bin selbstbestimmt und die Dinge sind jetzt, wie sie sind und damit kann ich umgehen. Und von der Schuld in die Eigenverantwortung wiederzugehen, das ist eigentlich der Gamechanger, sich nicht zurückzuziehen. Und da sind wir auch beim Umfeld.
Susanne Pehse: Mh.
Katja Westerbarkey: Wir haben ja gesagt, das Umfeld, Dorf, dieses soziale Netz ist super wichtig, da jemanden zu haben. Und auch da hörte euch unsere Podcast-Folge an, wo es ums Umfeld geht. Jemand zu haben, der sagt, weißt du was? Ich versteh dich und trotzdem nimm jetzt deine Beine in die Hand und geh los. Du hast auch eine Verantwortung. Du darfst alles fühlen. Und irgendwann darfst du aufhören. Dann hast du zu Ende gefühlt und dann darfst du in die Eigenmacht und Eigenverantwortung gehen, denn du darfst die Familie, die du jetzt hast, du und deine Kinder, weiter anführen. Das ist super, super wichtig, da wieder in die Eigenverantwortung zu gehen. Und das ist natürlich dieser große Schritt. Und da hilft mir zu wissen, warum wir jetzt so stark fühlen und meinen Verstand einzusetzen und zu gucken, ich bin aber trotzdem in Verbindung mit meinem Kind. Ich bin trotzdem in Bindung. Das Kind...
Susanne Pehse: Ja.
Katja Westerbarkey: ist da, auch wenn es jetzt gerade beim Elternteil ist, es ist hier in meiner Nähe, wir sind verbunden. Ich habe es jetzt seit Jahren begleitet und habe es aus bestem Wissen und Gewissen getan und dann bin ich in Verbindung, auch wenn es für mein Nervensystem erstmal Veränderung heißt.
Susanne Pehse: Ja, und das ist das genau, Katja, was du gerade ansprichst, was ich in meinen Begleitungen oft erlebe und auch persönlich erlebt habe in meiner eigenen Trennung, dass Eltern eben anfangen, so zu überkompensieren. Also wie in unserem Anfangsbeispiel. Sie erlauben mehr, sie vermeiden auch Konflikte. Auch ein ganz wichtiges Thema. Da gehe ich jetzt lieber nicht rein. Oder sie versuchen eben Dinge für ihr Kind leichter zu machen. Also ein ganz wichtiges Thema, was wir auch am Anfang schon angesprochen haben. Das Kind leidet ja sowieso schon so sehr und deswegen mache ich es meinem Kind ein bisschen leichter. Aber ich nehme meinem Kind auch damit eben auch etwas, nämlich indem ich die Verantwortung dafür übernehme, wie mein Kind jetzt vielleicht agiert oder reagiert, kann mein Kind diese eigene Erfahrung eben nicht machen.
Katja Westerbarkey: schon so
Susanne Pehse: Das ist wahrscheinlich auch das, was aus deiner Sicht so ein typisches Muster ist, wenn Schuldgefühle aktiv sind. Das hast du ja gerade schon erzählt. Und Katja, was wäre denn aus deiner Sicht ein gesunder Umgang mit Schuldgefühlen? Das finde ich jetzt noch ganz wichtig. Also, wie können Eltern wahrnehmen? Ja, dieses Gefühl ist da, ohne dass es eben die Führung übernimmt.
Katja Westerbarkey: Also grundsätzlich darf ich sagen, dass ein gesunder Umgang nicht bedeutet, die Schuld schnell wegzutun oder loszuwerden, sondern sie tatsächlich auch zu integrieren und zu regulieren. Denn ich kann kein Gefühl einfach wegschieben. Das wissen wir, wenn wir ein Gefühl haben und wir wollen es wegschieben, weil wir wollen es nicht fühlen, weil es ist anstrengend, dann lenken wir uns ab. Aber Gefühle speichern sich im Körper. Man nennt die dann Emotionen. Und unsere Kinder leben Gott sei Dank Emotionen und leben aus dem Körper heraus. Wir nicht. Wir speichern es und unser Körper wird dann irgendwann mal krank. integriere die Schuld, nimm sie wahr und versuch sie trotzdem zu regulieren, dass sie keine Macht über dich hat. Wie machst du das? Am besten, wenn du... Und das ist so ein einfaches Tool, aber das ist mein Haupttool in der traumasensiblen Arbeit und im Gefühlscoaching. Nimm deinen Körper wahr. Bevor ein Gefühl gefühlt wird, hab ich es im Körper. Also bevor ich check, ich bin nervös, schlägt schon das Herz. Und manchmal check ich ja auch, ich bin nervös, weil mein Herz schlägt und ich es noch gar nicht fühle. Ich kann danach erst Schlussfolgerung, ja stimmt, das Nervosität zum Beispiel. Also das heißt, wenn du merkst, du darfst dich auch vorm Spiegel anschauen. Wenn du merkst, Irgendwie, ich habe Augenringe, ich habe schlecht geschlafen, Oberkörper hängt und das sind klassische Körperhaltungen bei Schuld und bei Scham sowieso. Ich gehe in Deckung, also ich duck mich. Ich will eigentlich gar nicht selber mich im Spiegel anschauen, ich kann mich gar nicht sehen. Trotzdem tue ich es. Schau dich selber an und nimm mal nur von außen deinen Körper wahr. Was machen die Schultern? Was macht der Kopf? Was macht der Bauch? Hängt er? Was habe ich für eine Spannung? Bin ich aufrecht? Was machen meine Füße? Gautschen die Füße, also wackeln die hin und her. Sind die Zehen nach innen gerichtet? So kann überhaupt gar keine Energie fließen. Oder aber stehe ich aufrecht? Also das wäre so eine Spiegelwahrnehmung. Oder ich gehe wirklich in den Körper und sage, okay, wo fühle ich, was mir weh tut? Wo fühle ich eine Anspannung? Wo fühle ich? Oft ist es im Kiefer. Oft passiert es durch Meditation. Wenn ich anfange zu
Katja Westerbarkey: meditieren, obwohl mir überhaupt nicht danach ist, weil ich eigentlich eher unruhig bin, dann merkst du wahnsinnig schnell, wie viel Anspannung in deinem Körper sitzt. Durch Atmung, durch Körperwahrnehmung. Dann differenziere die Schuld. Was ist eine realistische Verantwortung, die ich jetzt übernehmen kann, versus eine übernommene Verantwortung? Denke ich, ich muss etwas tun oder hat mir jemand gesagt, das musst du jetzt wieder gut machen? Oder interpretiere ich aus einem Verhalten heraus, muss ich wieder so und so machen? Oder bin ich wirklich klar bei Verstand und sage, muss ich was gut machen? Nein, muss ich nicht, sondern ich übernehme jetzt Verantwortung für diese Konsequenzen. Schau, was ist realistisch und was ist übernommen oder ja, übernommen, weil jemand anderer kann mir nichts geben, wenn ich es nicht annehme. Ich muss kein Geschenk annehmen. Und frag dich, was liegt wirklich in meinem Einfluss und was nicht? Und das ist eine sehr realistische Frage, die mich auch wieder in den Verstand bringt und ebenfalls reguliert. Du hast gesagt, dass das Schreiben sehr gut hilft, Susanne. Und auch hier darfst du dir, schreib dir auf, was ist in meinem Bereich, was kann ich verändern und was liegt eben nicht in meiner Macht. Dann geh aus dieser Selbstabwertung raus bedeutet, also von einer Selbstabwertung zu einer Beziehung zu wechseln. Denn wenn ich mich selber immer schlecht rede, dann kann ich schwierig in Beziehung zu meinem Kind, in mein Kind gehen. Das ist nicht möglich. Also wirklich statt zu, ich bin schlecht, ich bin eine schlechte Mama, bin ein schlechter Papa, ich habe es irgendwie verbockt. Ich bin da, ich bleibe in Beziehung, auch wenn es für mich gerade echt schwer ist. Körperhaltung macht viel aus. Geh dann aufrecht hin, sag dir das aufrecht und trau dich das zu tun, auch wenn immer noch diese Schuld im Nacken sitzt. Ja, okay, im Moment fühle ich mich schuldig und trotzdem übernehme ich jetzt die Verantwortung, die realistisch ist, die ich übernehmen kann, auch wenn es für mich sehr schwer ist und sich schwer anfühlt. Versuch nicht zu kompensieren. Also bedeutet
Katja Westerbarkey: Kinder brauchen keine perfekten Eltern. sagen wir ganz oft Susanne. Das sagen wir eigentlich in fast jeder Folge. Sondern sie brauchen ehrliche Worte, sie brauchen eine emotionale Verfügbarkeit und sie brauchen vor allem auch die Verlässlichkeit. Und wenn ich immer nur in der Mangelhaltung bin, bin ich nicht mehr verlässlich. Und dann gibt es eine Unsicherheit und das wiederum führt zu, ist es so eine Kettenreaktion. Mein Kind zeigt ein anderes Verhalten, wenn es sich unsicher fühlt. Und...
Susanne Pehse: Mhm.
Katja Westerbarkey: Stärke dich selber in deiner inneren Führung. Das heißt, du darfst dir bewusst machen, Grenzen sind kein Schaden, sondern geben Sicherheit. Und Führung ist ein Akt, auch von Fürsorge mir gegenüber. Also man könnte kurz sagen, nicht die Abwesenheit von der Schuld macht gute Eltern aus, sondern die Fähigkeit mit ihr reguliert und auch beziehungsorientiert. umzugehen, also sie wahrzunehmen, sie zu integrieren, mich aufzurichten, sie kurz da sein zu lassen, zu spüren, was passiert in meinem Körper und wie fühlt sich mein Körper an, wenn ich in die Verantwortung gehe und sage, ja, es fühlt sich schwer an und gleichzeitig übernehme ich dafür jetzt Verantwortung für die Konsequenzen. Weil dann hast du ein anderes Setting im Body Dialog zu dir selber. Lange Antwort.
Susanne Pehse: Aber gut, Katja, wirklich gut. Das macht so vieles sichtbar, weißt du? Also gerade in diesem Trennungsprozess, wo Schuld und Scham ... immer am Start sind. Ich denke gerade an die Begleitungen von Frauen, die über Jahre darüber nachdenken, sich zu trennen. da Schuld und Scham, übernommene Schuld, ja, aus Generationen hinter uns, die gar nicht zu uns gehört. Auch da darf man hinschauen. Aber das ist jetzt noch währenddessen ein extra Thema. Aber wo du mir das so erzählst, habe ich so gedacht, ja, genau. Und der wichtigste Kernpunkt, den ich jetzt auch herausgehört habe, ist nimm Schuld und Scham wahr. Sie sind da. Sie sind auch für etwas gut. Und schau, dass du dich wieder regulierst mit dem, was Katja dir jetzt auch mit auf den Weg gegeben hat. Und tausche Schuld mit Verantwortung und kenne dein Warum, gerade wenn wir wieder in das praktische Beispiel hineingehen mit dem Tablet. Dass du dein warum kennst, warum habe ich denn diese Regel einst mal aufgestellt? Wahrscheinlich weil dir die Gesundheit deines Kindes wichtig ist und dann hast du auch ein ganz anderes Standing gegenüber deinem Kind.
Katja Westerbarkey: Und für was ist die Schuld gut? Die Schuld ist gut, wahrzunehmen, was ist es, warum ich mich schuldig fühle. Ist es wegen dieser Trennung oder gibt es vielleicht sogar noch was Altes? Es ist auch ein Muster von mir. Und wenn es wegen der Trennung ist, dann versuche einen Perspektivwechsel. Ja, vielleicht fühle ich mich jetzt schuldig den Kindern gegenüber und gleichzeitig habe ich aber für mich gesorgt. Und in dem Moment, wo ich in der Haltung bin, ich sorge für mich, kann ich wieder in die Eigenverantwortung gehen. Und das hat nichts mit Egoismus zu tun. sondern ich lebe meinem Kind in dem Moment vor, wie es ist, Selbstfürsorge zu betreiben. Und wir wollen alle Kinder haben, die auf sich selber achten und gestärkt und selbstbewusst durchs Leben gehen. Und das funktioniert natürlich nur, wenn ich das vorlebe. Und wie oft habe ich erlebt, dass Kinder eher erleichtert sind nach einer Trennung, weil sie diese Spannung zu Hause nicht mehr aushalten müssen. Eins möchte ich noch sagen, Susanne, das mir super wichtig ist, warum fällt es denn so schwer, da diese Grenze zu setzen? Weil natürlich, weil ich in Beziehung und in Bindung bleiben will und mir dann denke, mein Kind mag mich lieber. Und weil wir aber auch oft denken, ja, ich muss das jetzt irgendwie ausgleichen und ich darf jetzt auch nicht noch streng sein und ich habe auch jetzt gar kein Recht, irgendwelche Grenzen zu setzen, weil ich bin ja auch gegangen oder der Papa ist gegangen und wir müssen das jetzt ausbügeln. Versuch das so ein bisschen, weil da bist du wieder in dieser Anpassung. Da bist du wieder im Nervensystem in der Anpassung und willst die Bindung jeden Preis sichern. Und du kannst dich in diesem Zustand sehr schlecht selber regulieren, wenn du da drin bleibst in diesem Schuldschamgefühl. Deswegen binde dich an dich selber an, guck, was brauche ich und was braucht mein Kind und dein Kind braucht... immer Grenzen. Das ist ein Liebesbeweis und ich sage es meinen Kindern auch. Ihr dürft bei mir manche Dinge eben nur bis zu einem bestimmten Punkt, weil es mir wichtig ist, wie es euch geht. Auch wenn ihr das manchmal nicht versteht, warum die dritte Tafel Schokolade nicht sein darf, jetzt übertrieben, aber mir ist wichtig, dass ihr gesund bleibt, dass euer Körper gesund ist und es ist meine Verantwortung, solange ihr in diesem Alter seid, danach zu schauen. Und deswegen ist das
Katja Westerbarkey: Grenze und es ist die Grenze auch mit dem Tablet, obwohl ich das Gefühl habe, ich will in Bindung bleiben. Doch was ich in den ersten drei Jahren an Bindung nicht aufgebaut habe, kann ich sehr schwer nachholen. Die frühen prägenen Kinderjahre sind ausschlaggebend und weißt du in der Pubertät, dann darf ich mich auch zurücklehnen und so ein bisschen ins Vertrauen gehen, denn dann habe ich zwar durchs Vorleben immer noch einen gewissen Einfluss. Ja, und trotzdem nicht mehr so viel. Also dann muss ich auch so bisschen geschehen lassen, dann habe ich getan und ich will, ich will, dass meine Kinder mich als selbstbewusste Frau wahrnehmen, als eine Frau, die das tut, was sie sagt und als eine Frau, die ihre Grenzen setzt und auch als eine Mama, die immer da ist, wenn es drauf ankommt, die aber auch manchmal nicht da ist. weil sie sich um sich selber sorgen muss, je nach Bedürfnis vom Kind und mir. Und wenn ich das tue, weiß ich, oder Papa, es muss jetzt nicht nur Mama sein, und wenn ich das tue, weiß ich, okay, safe, meine Kinder hier, so, viel Spaß. Viel Spaß euch im Leben, ihr seid reguliert.
Susanne Pehse: Ja. Katja, war eine super spannende Folge, also wie eigentlich all unsere Folgen. Ich glaube, das sage ich sehr häufig. ja, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Wir beenden die Folge mit unserem Leitsatz, dass wir wollen, dass dein Kind später einmal sagen kann, ich hatte eine schöne Kindheit, trotz der Trennung meiner Eltern. Und wir freuen uns, wenn du uns zuhörst und wir freuen uns auch, wenn du
Katja Westerbarkey: Absolut!
Susanne Pehse: in der nächsten Folge wieder mit dabei bist.
Katja Westerbarkey: Bis bald! Tschüss!
Susanne Pehse: Tschüss!
Neuer Kommentar